Die FedCon 18, die Anfang Mai 2009 stattfand, hatte als Titel und Motto „The Golden Future“, was sich auf den neuesten Star Trek-Film bezog, der eine knappe Woche später Premiere feierte (als besonderen Leckerbissen gab es dann auch – unter extremen Sicherheitsvorkehrungen – Ausschnitte des Films vorab auf der Con zu sehen). Nun stellt der Film mit dem knappen Namen „Star Trek“ eigentlich keine Fortsetzung der bisherigen Reihe dar, sondern eins der in den letzten Jahren so beliebt gewordenen Prequels; schließt sich aber auch nicht an die Prequel-Serie „Enterprise“ an, sondern beleuchtet die Anfänge von Kirk, Spock und Co. neu. Was ich nur deshalb so ausführlich erkläre, weil ja eben die Sache mit der goldenen Zukunft so verwirrend ist. Denn eigentlich hängen wir ja nun schon seit längerem in der Vergangenheit von Star Trek herum. Von der Zukunft der Föderation haben wir schon eine Weile nichts mehr gehört...
Aber wen kümmert das, wenn wie in jedem Frühjahr die FedCon ruft? Feste Institution für tausende von Fans, von denen viele, wie ich erfuhr, inzwischen nur noch kommen, um Con-Freunde zu treffen, und gar nicht wegen der Stars. Obwohl die diesjährige FedCon da diesmal wieder einiges zu bieten hatte. Robert Picardo und Connor Trinneer aus ST-Voyager, Dominic Keating und John Billingsley aus Star Trek-Enterprise, Nana Visitor, Marc Alaimo, Jeffrey Combs und Max Grodenchik aus Star Trek-DS9 stellten einen perfekten Querschnitt durch Jahrzehnte von Star Trek dar. Angeführt wurde diese Riege von der „Grand Old Lady“ Nichelle Nichols. Uhura ist in die Jahre gekommen, eine kleine alte Dame, die inzwischen immer wieder dieselben Geschichten erzählt, vor allem die, wie Martin Luther King sie davon abhielt, bei Star Trek auszusteigen. Aber man sieht es ihr nach, weil sie es mit einer solchen Begeisterung tut und auf diese Weise in Erinnerung ruft, was Star Trek eigentlich so besonders machte und macht. Vor allem, als ein Fragesteller aus dem Publikum meinte, „unsere Helden sind ja eigentlich alle Soldaten“, traten sie und Richard Arnold entschieden dagegen ein, dass Star Trek eine militärische Serie sei. Es sei immer um die friedliche Erforschung des Weltraums gegangen, und die Ränge der Figuren rührten eben daher, dass ein Schiff nur mit einer klaren Hierarchie geführt werden könne. Gene Roddenberrys Vision war immer eine friedliche fernab alles Militärischen gewesen. Dafür gab es im Saal stehende Ovationen.
Dagegen hebt sich natürlich scharf eine andere Serie ab, die die FedCon nach 2008 ein weiteres Mal heimlich zu dominieren schien: die ganz im Gegenteil stark militärisch geprägte Space-Action „Battlestar Galactica“. Nach dem Besuch von Frauenschwarm Jamie Bamber im letzten Jahr trat diesmal die doppelte Führungsspitze des Kampfsterns an: Edward James Olmos (Admiral Adama) und Michael Hogan (Colonel Tigh). In ihrer Begleitung befanden sich außerdem James Callis (Baltar) und Richard Hatch (Apollo/Tom Zarek) – zusammen ein nicht unwesentliches Gegengewicht zu den Star Trek-Darstellern. Da überdies Olmos und Hogan als Haupt-Gaststars präsentiert wurden, war das Gefühl, auf einer BSG-Con zu sein, zuweilen recht stark. Davon wurden sogar andere Stargäste angesteckt, denn am Ende stimmte sogar Nichelle Nichols in den Ruf ein, der an diesem Wochenende so oft wiederholt wurde: So say we all!
Auch Fans anderer Serien kamen auf ihre Kosten: Für „Stargate“-Begeisterte war Christopher Judge (Teal'c) angereist, Freunde von „Firefly“ und „Terminator SCC“ litten mit der schwer erkälteten Summer Glau und Anhänger der Serie „Eureka“ jubelten den beiden Hauptdarstellern, Colin Ferguson und Jordan Hinson, zu. Die FedCon ist eben schon lange keine reine Star Trek-Con mehr, und wenn man sich mit den Gästen unterhält, ist die Mehrheit über diese Erweiterung der Föderation sehr glücklich. Und wie militärisch man es nun mag, muss jeder letztendlich selbst entscheiden – so say we all!
Im Übrigen begeisterten die Gaststars auf gewohnte Weise, sei es mit unendlicher Geduld beim Beantworten der Fanfragen oder wundervollen Showeinlagen – der geborene Alleinunterhalter John Billingsley legte mal wieder Hemd und Hose auf der Bühne ab. Andere Schauspieler sangen selbstgedichtete Satiresongs oder parodierten sich gegenseitig. Es war, wie üblich, eine Gaudi voller Situationskomik, die man erlebt haben muss.
Hochinteressant auch das Nebenprogramm mit Vorträgen und Bands. Wer das verpasst hat, kann spannende Star Trek-Fakten in Büchern wie „Star Trek in Deutschland“ oder „Trekminds. Was die Welt von Star Trek lernen kann“ nachlesen.
Was wir übrigens in diesem Jahr vermissten: Das knallige Orange von Jägermeister. Nach dem großen Erfolg des Sponsors auf der letzten Con hatte man die orangefarbenen Hirschvertreter eigentlich schon zurückerwartet. Aber es gab keine Wiederholung der „Jägercon“ – gerüchteweise, weil deren Alkoholausschank zu unangenehmen Nebenwirkungen auf den letztjährigen Partys geführt hatte.
Ein anderes Gerücht: Nach dem großen Erfolg des neuen Star Trek-Films in den USA – er hängte an den Kinokassen sogar „Wolverine“ ab – soll der Vertrag für eine Fortsetzung bereits unterschrieben sein. Wir können also optimistisch in eine goldene Zukunft blicken – oder Vergangenheit. Wie auch immer.
FedCon XVIII – Die Vergangenheit ist die Zukunft – oder so ähnlich...
Mai 20th, 2009 | posted by sw
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