Da meine Mangaecke inzwischen einen festen Leserkreis ihr eigen nennen darf, hielt ich die Zeit für gekommen, meine Conberichte um einen wichtigen Bestandteil zu erweitern: Eine Manga- und Animeconvention! Und zwar nicht irgendeine, sondern DIE deutsche Animeconvention, die AnimagiC, die dieses Jahr schon ihr zehnjähriges Bestehen feierte. Also, nix wie hin und auf nach Bonn.
Ja, was waren das für Zeiten, als vor zehn Jahren alles anfing! Ich gestehe ja, schon so alt und verrückt zu sein, dass ich den ersten beiden AnimagiCs beiwohnte, damals noch in Koblenz. Da waren die Veranstalter vermutlich noch überrascht vom riesigen Andrang. Heutzutage überrascht das niemanden mehr. Ein ganzes Wochenende lang dominieren die Anime- und Manga-Fans nicht nur die geräumige Beethovenhalle in Bonn, sondern auch das ganze Gelände drumherum. Da die Karten schon eine Weile vor der Con ausverkauft waren und an der Tageskasse nichts mehr zu bekommen war – oder einfach nur, weil die Eintrittspreise durchaus mit anderen Cons mithalten können – kommen viele Besucher sogar nur, um in ihren Kostümen auf der Wiese zu flanieren.
Das ist für meinen Geschmack auch mit der beste Part. Wer braucht noch den Cosplay-Wettbewerb auf der Bühne, wenn das Cosplay rund um die Uhr stattfindet?! Als Mensch mit zwei linken Händen ließ ich vor Begeisterung angesichts all der selbstgemachten Kostüme einen ganzen Nachmittag lang die Kamera heißlaufen.
Aber gut, irgendwann habe ich mich auch mal losgerissen, um Euch berichten zu können, was sonst noch so lief. Eine große Menge japanischer wie deutscher Mangazeichner war zu Gast, die den Besuchern Rede und Antwort standen und Signierstunde um Signierstunde gaben. Der „Haupt-Act“ war das J-Pop-Sternchen Nana Kitade; mir war sie zugegebenermaßen noch unbekannt (ich steh nicht so auf J-Pop…), aber ihre Signierschlange konnte sich ebenfalls sehen lassen. Für weitere Unterhaltung sorgten Taiko-Trommler, die mittlerweile obligatorische Anime-Tanzgruppe Tsuki no Senshi, GO, Karaoke, Fanart-Ausstellung, diverse andere Show-Acts, Zeichenkurse natürlich und, ach ja, es gab auch Rollenspiel! Der langjährige Konkurrenzverein der GFR, die Zunft der Lahnsteiner Rollenspieler, organisiert schon seit längerem die Rollenspielecke auf der AnimagiC. Auf dem Programm stehen natürlich Rollenspiele, die auf Anime, Manga und japanischen Videospielen basieren. Wie ich hörte, sind die Runden immer gut besucht, und die von mir interviewte Proberunde zeigte sich äußerst zufrieden. Das freut doch das Rollenspielerherz, auch wenn’s die Konkurrenz ist!
Apropos Videospiele, für Freunde der Computerspiele u.ä. gab es auf einer Convention mit Schwerpunkt Japan natürlich auch genug Material. Wer wollte, konnte in der Games-Zone oder gleich per LAN-Netzwerk zocken, außerdem kam man kaum an den überall aufgestellten Konsolen-Displays vorbei, auf denen vor allem Nintendo DS und seine Anverwandten neues Publikum lockten. Langeweile kam so jedenfalls nicht auf!
Vorgestellt wurde übrigens auch das bislang erste comicfähige Handy, bislang natürlich nur in Japan erhältlich. Die Bilder werden extra für das Display aufbereitet, so dass man durch die einzelnen Comicbilder blättern kann und es dabei trotzdem optisch noch gut wirkt. Lechz, wann kommt das Gerät nach Deutschland?!
Und, ach ja, es war eine Anime-Convention, als gab es auch noch Animes, Animes, Animes! Eine Menge Neuerscheinungen lockten in die Säle. Eine der als Toptitel beworbenen OVAs, das Racheepos „Afro Samurai“, sah ich zwar nicht (*hüstel*), soll aber sehr actionreich sein. Mich lockte eher die Fantasy-Ecke. Die im alten China spielende Serie „Guardian of the Spirit“ um eine Speerkämpferin, die plötzlich das Leben des Kaisersohns vor dem eigenen Vater beschützen muss, wirkte optisch sehr schön und klang sogar in der deutschen Synchro gut. „El Cazador de la Bruja“ ähnelt in der Grundhandlung um Kopfgeldjägerin und Schützling stark „Noir“, kommt aber in der Pilotfolge noch etwas verwirrend daher. Über die Magical Girl-Parodie „Zettai Karen Children“ dagegen habe ich Tränen gelacht.
Was das Animotion-Filmfestival mit den abendfüllenden Filmen angeht, das im nahen WOKI stattfand, so gefiel mir die Anime-Adaption von „Highlander“, in der wieder ein neuer McLeod durch die Jahrhunderte zieht, sehr gut. In der Hightech-Militäraction „Vexille“ von den „Appleseed“-Machern zeigen die Japaner wieder mal ihre eigenartige Vorliebe dafür, das eigene Volk auszurotten.
Und natürlich gab es noch eine Menge mehr. Manga- und Animestände standen mit ihren Neuheiten dicht an dicht. Die gibt’s jetzt natürlich auch im Handel, für die, die die Con verpasst haben. Aber hoher Eintrittspreis hin oder her, so bequem die Neuerscheinungen probegucken geht eben nur auf der Con. Und, mal ehrlich, in jedem Rollenspieler steckt doch auch ein Mangafan. Und umgekehrt.
AnimagiC 2008
September 9th, 2008 | posted by sw
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