Federation Convention XVII – Das Virus

Man soll den Stargast nicht vor der Con loben. So könnte man eigentlich ein Sprichwort für SF-Cons prägen. Wie dereinst der Galileo VII im Jahr 2005 „Captain Kirk“ Shatner in letzter Minute absprang, so entschuldigte sich vor der FedCon 2008 „Captain Picard“ Patrick Stewart mit freundlichen Worten für sein Nichterscheinen. Wenigstens nicht ganz so kurzfristig, so dass die Fans sich noch seelisch-moralisch auf das Fehlen des groß angekündigten Gaststars einstellen konnten. Und außerdem hätte sie das sowieso nicht vom Erscheinen abgehalten. Denn wie erklärte mir doch ein FedCon-Fan und -Helfer seine Treue: „Die FedCon ist wie ein Virus. Einmal infiziert, lässt es einen nicht mehr los.“ Da schrecken einen auch die Preise nicht, die zu dieser Con überarbeitet wurden und für den Durchschnittsgeldbeutel ja nicht gerade niedrig sind. Aber noch mehr Geld fressen ja oft die Autogramme der Stars, weshalb, wie mir eine Besucherin vorrechnete, das Gold-Ticket für echte Autogrammjäger das beste Angebot ist.
Wen also die Preise nicht schocken, der kann auch mit der schwierigen Spezies der Raumschiff-Captains umgehen. Aber es gab ja schließlich genug Ersatz, und so wurde die Riege der Stars von den ST-TNG Darstellern Marina Sirtis, Brent Spiner, LeVar Burton sowie Rene Auberjonois von ST-DS9 angeführt. Was ja auch nicht schlecht ist, da alle vier immer eine gute Show auf der Bühne abliefern (außerdem wurden sie ergänzt durch den beliebten „Q“ John de Lancie).
Alle weiblichen Fans hatten sich aber ohnehin nur die Finger nach Jamie Bamber geleckt, dem neuen Apollo des neuen Battlestar Galactica. Man hatte sowieso das Gefühl, dass die neue Kampfstern-Serie sich zur heimlichen Hauptdarstellerin der Con aufgeschwungen hatte. Immerhin bietet die Neufassung frisches, spannendes SF-Futter, und das schlägt halt ein bei den Fans. Star Trek haben wir ja nun alle schon gesehen. Mit Mary McDonnell (Präsidentin Roslin), Nicki Clyne (Petty Officer Henderson Tyrol) Leah Cairns (Pilotin Racetrack) sowie weiteren Nebendarstellern stellte die Galactica-Crew schon ein Gegengewicht zu den Enterprise-Leuten dar. Richard Hatch, Apollo der alten Serie und Nebenrolle in der neuen, sagte leider ganz kurz vor der Con ab (noch so ein Captain…).
Von der Konkurrenz waren des weiteren noch Bruce Boxleitner, Peter Jurasik und Julie Caitlin Brown, die die Herzen der Babylon 5-Anhänger höher schlagen ließen, anwesend. Michael Shanks vertrat Stargate SG-1, und Kevin Sorbo (Andromeda; ein Captain, der nicht absagte) amüsierte die Fans mit schmutzigen Witzen.
Kuriose Bemerkung anbei: Auch Dr. Hubert Zitt, der mit seiner Star Trek-Vorlesung berühmt wurde, war wieder Gastredner auf der Con. Seine Bekanntheit erstreckt sich mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus, denn ihm wurde tatsächlich eine Lehrstelle an einer texanischen Universität angeboten, wo er nun ein Semester lang „The physics of Star Trek“ als reguläres Fach unterrichten wird. Mit Prüfung und allem Drum und Dran. Die spinnen, die Amis…
Für Aufsehen sorgte neben den Gaststars ein neuer Sponsor: Jägermeister. An den knatschorangefarbenen Ständen und bodygepainteten Mitarbeitern kam man an diesem Wochenende nicht vorbei. Die Coupons für ein Gratisgläschen waren dabei durchaus willkommen. Mindestens ebenso schnell ging das Merchandising weg, das unters Volk verteilt wurde (schon mal einen Stormtrooper mit orangefarbenem BH über der Rüstung gesehen?!). Für Jägermeister war es sicher ein Erfolg: Eine Rückkehr zur nächsten Con wurde, wie man dem begeisterten Johlen nach der entsprechenden Frage auf der Closing Ceremony entnehmen konnte, durchaus gewünscht (Marc B. Lee sprach schon von der „Jägercon“).
Schön war übrigens, dass der Kostümwettbewerb, der schon lange eher zum Show-Wettbewerb mutiert ist, 2008 in anderer Form abgehalten wurde: Kostümierte konnten sich anmelden und bekamen dann eine Nummer. Mit der liefen sie über die Con, und die anderen Besucher konnten dann diese Nummer in ihren Stimmzettel eintragen. So lag endlich wieder mehr Aufmerksamkeit auf den wirklich aufwändigen Kostümen. Und den Show-Wettbewerb gab es dann noch separat.
Neu war auch, dass die FedCon sich erstmals wohltätig engagierte. Die Peter Maffay-Stiftung, die sich um in Not geratene Kinder kümmert, war auf der Con zu Gast, warb um Spenden und veranstaltete Aktionen; die größte sicher das exklusive Dinner am Donnerstagabend mit allen FedCon-Stars. Ist ja keine schlechte Idee. Mal sehen, ob sich dieses Engagement länger halten wird.
Nochmal zum Virus: Wie ich erfuhr, sind sämtliche Besucher entweder schon auf oder direkt nach der Con krank. Auch mich erwischte es auf der FedCon 17. Science Fiction ist eben ein Virus. Und die FedCon wohl auch. Nächstes Jahr komme ich natürlich wieder.